4. Schmerzensfreitag – Predigt

Heute, nur heute werde ich mich bemühen, den Tag zu leben, ohne die Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

So der Wortlaut eines der Gebote zur Gelassenheit von Papst Johanes XXIII.

Leben – was verbinden wir damit?
Leben – was gehört für mich dazu?


Fragen, die wir uns im Blick auf die aktuelle Situation, in der wir uns befinden, vielleicht besonders stellen. Fragen, die zu unserem Lebensweg manchmal mehr, manchmal weniger dazu gehören und die besonders dann an Bedeutung gewinnen, wenn sich Gewohntes verändert, wenn wir uns ängstigen, wenn scheinbar alles auseinanderbricht, wenn wir uns neu ausrichten müssen.

Leben: Viele Dinge gehören dazu – sind uns wichtig: Gesundheit, ein Dach über dem Kopf, Essen und Trinken, Freundschaften, finanzielle Sicherheit, die Liste ließe sich sicher noch verlängern. Alles Dinge, die wir mehr oder weniger haben und die wir oft als selbstverständlich nehmen. Leben ist ein Geschenk, das uns anvertraut wird, jeden Tag von Neuem – auch Heute. Ein Schwerkranker sagte mir einmal: Weißt du, wenn ich am Morgen meinen Rollladen aufmache, freue ich mich, dass ich lebe, es könnte auch anders sein!

Meister, was muss ich tun, um ewiges Leben zu haben? – so die Frage, die der Schriftgelehrte Jesus stellt. „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst! Handle danach und du wirst leben!“ (Lk 10,25-28)

Ich – meine Mitmenschen – Gott gehören zum Leben, um diese drei Dinge soll ich mich kümmern, sie achten und vor allem auch lieben. Mich selbst annehmen: Einen liebevollen und guten Umgang mit mir selbst pflegen. Dazu gehört, dass ich mir Zeit nehme, um nachzuspüren, wie es mir geht, was gut ist, was ich vielleicht ändern sollte.

Denn, wenn es uns selbst gut geht – aber nicht im Sinne von „Hauptsache Ich“ – dann wirkt sich das auch auf unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen aus. Auch ihnen sollten wir so begegnen, wie wir es für uns selbst wünschen. Ehrlich, zuverlässig, verantwortungs- und respektvoll. Denn alle Menschen brauchen Achtung und Würde für ihr Leben.

Für dieses Handeln an uns und an unseren Mitmenschen brauchen wir Kraft, eine Quelle aus der wir schöpfen können: Gott ist diese Quelle. An seinem Sohn, Jesus Christus, können wir ablesen, was zum Leben führt. Den Alltag immer wieder unterbrechen, um nachzuspüren, ob die Richtung noch stimmt. Sich im Gebet an Gott wenden, weil wir Menschen sind, weil für uns nicht alles machbar ist, weil es uns nur so möglich ist, dem Leben zu dienen.

Wenn uns das gelingt, dann bekommt der Satz des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, Hand und Herz. Vielleicht werden wir dann auch etwas gelassener im Blick auf Dinge, die uns Sorgen und Probleme bereiten. Ja, auch Probleme und Sorgen gehören zu unserem Leben. Aber, es liegt an mir, von was ich mich leiten lasse und was in meinem Leben die Oberhand hat.

Ich kann nicht alles lösen und klären, das wäre eine Überforderung. Bei allem, was ist, kann und darf ich darauf vertrauen, dass ich nicht alleine bin. „Sei gewiss, ich bin bei euch – ich bin bei dir, alle Tage!“, so wird uns im Matthäus-Evangelium zugesagt. Dieser Zusage vertrauen, jeden Tag neu: Am Beginn eines neuen Tages mich einstimmen und ihn Gott anvertrauen. Während des Tages ab und zu bewusst eine kleine Verschnaufpause einlegen und mich an die Quelle erinnern aus der ich Kraft schöpfe.

Und schließlich am Ende eines jeden Tages alles, was war, nochmals in den Blick nehmen – mich selbst, meine Mitmenschen, Schönes und Gutes, aber auch Schwieriges, zu danken oder zu bitten. Nur für heute, denn der morgige Tag hat sein eigenes Gesicht und seine eigenen Probleme und Sorgen. Schritt für Schritt durchs Leben gehen im Vertrauen auf Gottes liebende Zuwendung.


Leben
Mir geschenkt
Mit allem was gut und schön ist
Mit allem was mir Sorge bereitet
Dir guter Gott
Darf ich mein Leben anvertrauen
Um Heute zu leben
Für mich
Mit anderen
Und mit dir
Gott des Lebens

Irmgard Wiest Gemeindereferentin / Seelsorgerin bei Menschen mit Behinderung, Kath. Dekanat Ostalb

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